Wie Valium und andere Beruhigungsmittel zu Potenzproblemen führen

Wie Valium und andere Beruhigungsmittel zu Potenzproblemen führen

Valium kann zu Impotenz führen

Valium (Diazepam) und andere sogenannte Benzodiazepine sind zweifelsfrei hochwirksame Medikamente, die in einem gewissen Kontext eine Berechtigung haben. Derartige Medikamente stehen jedoch seit langem in der Kritik, wobei dabei meist das (sehr hohe) Suchtpotenzial kritisiert wird. Dies ist zweifelsfrei ein großes Problem, jedoch nicht das Einzige, Valium führt auch zu Potenzproblemen und anderen Nebenwirkungen. Wenngleich die Gefahr durch Valium durch prominente Süchtige immer präsenter wird (Eminem war abhängig von Valium, Elvis Presley, Elizabeth Taylor) so sollte eine objektive Betrachtung auch den großen Nutzen (insb bei psychiatrischen Fällen) bedenken.

Als Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin der Klinik Lippstadt sieht Rüdiger Holzbach zahllose Patienten, die schwer von Benzodiazepinen abhängig sind. Der bekannteste Vertreter dieser scheinbar harmlosen Beruhigungsmittel ist das Valium. Doch selbst angesichts der Schicksale von Menschen auf seiner Spezialstation vergisst der Mediziner nicht, wie hilfreich die Stoffe sein können. „Die Psychiatrie hat sich durch die Benzodiazepine in den letzten 50 Jahren unter anderem auch dadurch gewandelt, dass wir vielen Leuten schneller helfen können, aus Krisen, sei es schwere Verlustsituation, schwere Depression, Angstzustände, Suizidalität, herausholen können, wo Patienten früher einfach länger gelitten haben bis psychotherapeutisch oder andere pharmakologische Strategien geholfen haben. Also, Benzodiazepine sind segensreich, in der Behandlung von Krisensituationen unverzichtbar und Gott sei Dank gibt es sie.“

Die unterschätzte Droge (deutschlandfunkkultur.de)

Wie bereits erwähnt haben Benzodiazepine Vorteile für Menschen mit akuten Krisen. Neben diesen Krisen zeigen Benzos auch andere Einsatzgebiete, bei denen sie sich als nützlich erwiesen haben. Darunter zählen Schlafstörungen, die zusammen mit einer guten Schlafhygiene den Schlaf wieder in einen gesunden Rhythmus bringen können. (Hierzu nimmt man heute normal Z Benzos die im Vergleich zu Valium eine kurze Halbwertszeit haben), sie haben aber auch bei bestimmten Erkrankungen wie die Spastik (oder bei exotischen wie das Stiff Person Syndrom) einen großen Nutzen. In der Epilepsie werden Benzos bei schweren Anfällen eingesetzt und in manchen Fällen auch als vorbeugendes Mittel (hier wird zumeist Rivotril verwendet).

Vorteile von Diazepam für den Mann

Für Männer haben Benzos wenig spezifische Vorteile, anders als etwa PDE-5 Hemmer, die primär bei Männern eingesetzt werden. Von Beruhigungsmittel profitieren Männer und Frauen gleichermaßen. Spezifische Vorteile liegen eher indirekt in den Vorteilen, dass über Benzos beim Dating die sogenannte Ansprechangst reduziert werden kann und Valium und Co. im stressigen Arbeitsmarkt vorteilhaft sein können. (Männer arbeiten einfach mehr, was daran liegt, dass Männer evolutionär von einem höheren sozioökonomischen Status profitieren).

Dies klingt zwar alles sehr verlockend, jedoch muss klar erwähnt werden, dass das Suchtpotenzial für derartige Einsatzgebiete viel zu hoch ist, würden die Medikamente hier eingesetzt werden, dann wäre im Regelfall von einem Missbrauch auszugehen. Es sollte also eher mit Entspannungsübungen, Meditation und bei Bedarf mit einer Psychotherapie gearbeitet werden. Es sollte bei derartigen Medikamenten immer bedacht werden, dass in Deutschland aktuell 1,9 Millionen Menschen von Medikamenten aus der Gruppe der Benzodiazepine abhängig sind. (Quelle Wiki).

Diazepam reduziert die Potenz (im schlimmsten Fall führt Valium zu Potenzproblemen bis hin zur Impotenz)

Valium und andere Benzos erhöhen die Empfänglichkeit der GABA A Rezeptoren gegenüber dem Neutransmitter GABA. Dadurch wird das Gehirn gedämpft und reagiert langsamer auf Reize. Man sieht dies auch ganz eindrucksvoll bei EEG Ableitungen. Das Problem hierbei ist allerdings, dass der Mann auch auf sexuelle Reize geringer reagiert. Das mag bei manchen Erkrankungen vorteilhaft sein, im Normalfall ist es aber unerwünscht. Beruhigungsmittel sind neben Antidepressiver eine der häufigsten Gründe für Potenzprobleme, die durch Medikamente induziert sind. [1][2] Interessant ist hierbei jedoch, dass Benzos als Nebenwirkungen auch erhöhte sexuelle Träume induzieren können, was etwas paradox wirkt. (Diese kenne ich aus Erfahrung).

Einige Erfahrungen von Sex auf Benzos

Wer meinen Blog kennt weiß, dass ich neben empirischen Studien und Facharbeiten auch immer ganz gerne Erfahrungsberichte lese. Deshalb habe ich auch hier wieder gesucht, was ich finden konnte und möchte einige Erfahrungen zitieren:

Ich hatte auf Benzos in den ersten Wochen(ohne Toleranz) keinen Samenerguss…Ich komme zwar irgendwann(dauerte aber immer länger als wenn ich clean war) aber es kommt nix raus.

Eve und Rave

Ich kann auch bestätigen, dass Benzos die Libido verringern. Bei sanego.de steht: Bei der Anwendung von Alprazolam traten bisher folgende Nebenwirkungen auf: Müdigkeit (18/101) 18% Abhängigkeit (10/101) 10% Libidoverlust (8/101) 8%

LdT (Land der Träumer)

Es gibt aber auch Berichte, dass die Libido gesteigert werden kann:

Ich hab schon die meisten Benzos auch von verschiedenen Herstellern konsumiert, und mir fiel auf, es kommt nur bei Flunitrazepam zu Störungen, alle anderen Benzodiazepine wirken mit wenig Einfluss, oder meist sogar gesteigerter Energie. Besonders auffällig ist gewesen: Diazepam, Lorazepam und Bromazepam steigern eher die Libido und Leistung.

LdT (Land der Träumer)

Dass die Wirkung zudem nicht bei allen Benzos gleich ist, berichtet dieser User:

Eigenartig! Genau die beiden in der Überschrift genannten Benzos (im Gegensatz zu Diaz) machen mich teilweise richtig rattig liegt aber möglicherweise daran, dass ich die nicht dauernd, sondern bei Bedarf zum Schlafen ein halbes mg Alprazolam / 1mg Lorazepam nehme, was im Schnitt alle 2 Wochen eine Nacht vorkommt.

LdT

Fazit zur Wirkung von Benzodiazepine auf die Potenz

Die Studien deuten auf einen doch deutlich signifikanten Zusammenhang von Potenzproblemen und der Einnahme von Benzos. Vergleicht man die Daten zu anderen Medikamenten, die auf die Libido schlagen (SSRI, Opioide) so ist die negative Wirkung nicht ganz so ausgeprägt, aber doch deutlich. Erfahrungsberichte zeigen ebenfalls ein etwas durchwachseneres Bild als dies bei SSRIS oder Opioiden der Fall ist. Das enorme Suchtpotenzial lässt einen Einsatz außerhalb von akuten psychischen/psychiatrischen Krisen oder speziellen Erkrankungen (wie Epilepsie) selten als gerechtfertigt erscheinen. Da Benzos verschreibungspflichtig sind, sollte der Einsatz mit dem behandelnden Arzt gut besprochen und der Nutzen und Nachteil bestmöglich abgewogen werden. Bei dieser Kosten/Nutzenrechnung sollte auch die Potenz berücksichtigt werden.

Quellen

1.) 52_psy_01_04_Kinzel-Weig (thieme-connect.com)
2.) Benzodiazepine – Wissen @ AMBOSS

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9 Monate zuvor

Schön, dass du wieder mehr Artikel schreibst. Der Blog ist ausgesprochen informativ und hat mir schon sehr geholfen! Ich freue mich über jeden neuen Artikel, hoffe du bist jetzt generell wieder aktiver!